Mensch und Kultur

Für den Erfolg einer Wissensmanagement-Initiative ist es nach meiner Überzeugung weniger entscheidend, welche IT-Lösung eingesetzt wird, sondern dass die humanen & sozialen Aspekte wie z.B. die Unternehmens- und Kommunikationskultur angemessen berücksichtigt werden. Bei Wissensmanagement handelt es sich nämlich im Kern um Change Management-Initiativen, weil WM eine Verhaltensänderung der beteiligten Personen zum Ziel hat.
Die Unternehmenskultur ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Bereitschaft, Wissen zu teilen – je nach Ausprägung entweder als Erfolgsfaktor, oder als Barriere. Denn Wissenstransfer ist Kommunikation – und das funktioniert am besten in einem Klima des Vertrauens und gegenseitigen Respekts, das maßgeblich durch das praktizierte Führungsverhalten geprägt wird.


Management 1.0 vs. Enterprise 2.0 – Wie passt das zusammen?

Auch wenn Sie sich nicht direkt zu den „Digital Natives“ zählen, sollten auch Sie sich mit dem „Hype“-Thema Enterprise 2.0 (E2.0) beschäftigen – denn auch Ihr Unternehmen kann von den Vorteilen profitieren, außerdem ist der Trend nicht mehr aufzuhalten, und spätestens die nächste Generation Ihrer Mitarbeiter wird diese Werkzeuge selber einführen, wenn das Unternehmen sie nicht bereitstellt …
Im Zentrum dieses Artikels stehen der Mensch (als Wissensarbeiter bzw. als Teil der Gemeinschaft) sowie das Unternehmen als soziales System. E2.0 ist mehr als ein neues IT-Tool, es geht dabei im Endeffekt um einen Kulturwandel: Zum einen ist eine partizipative, offene Kommunikationskultur eine Voraussetzung für E2.0, zum anderen fördern E2.0-Initiativen als Katalysator den Wandel in der Unternehmenskultur. Ein traditionell orientiertes Management kann versuchen sich dagegen zu stemmen, oder aber diesen Wandel aktiv gestalten und fördern.

Wissensfluss statt Dokumentengräber

„Wir haben mit großem Aufwand umfangreiche Dokumentationen in unsere Datenbanken eingestellt – aber der erhoffte Wissensaustausch kommt leider nicht in Gang. Was können wir tun, um den Erfahrungsaustausch zu fördern und unsere Mitarbeiter zum Teilen ihres Wissens zu bewegen?“

Falls auch Sie bereits in die „Dokumentations-Falle“ getappt sind – oder einfach mehr aus Ihrem gesammelten Wissen machen wollen, dann sollten Sie ein besonderes Augenmerk auf das Management des Wissensflusses legen. Denn gespeichertes Wissen an sich hat keinen Wert, es ist nur totes Kapital – ein Wert entsteht erst dann, wenn dieses Wissen weiter fließt, indem andere Anwender die Informationen und dokumentierten Erfahrungen nutzen.
Hier treten die menschlichen & sozialen Aspekte des Wissensmanagements besonders deutlich in den Vordergrund:
— Wissenstransfer entsteht durch die Kommunikation zwischen Menschen;
— Das Teilen von Wissen ist immer freiwillig, niemand kann dazu gezwungen werden.
Ein wesentlicher Input für diesen Artikel war für mich das exzellente Buch „Mastering Organizational Knowledge Flow“ von Frank Leistner, in dem viele der hier erwähnten Anregungen noch ausführlicher beschrieben sind.